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Der ewige Schnäppchenjäger

"Wir müssen die Lebensmittelproduktion von der Ladentheke her denken", fordert der Kanzler bedeutungsschwer. Und seine Ministerin Renate Künast sagt keinen Satz, in dem nicht zweimal der "Verbraucherschutz" beschworen wird. Hört sich gut an. Stellt aber die Dinge auf den Kopf. Wenn hier jemand zu schützen ist, dann sind dies die Bauern und vor allem die Tiere vor dem Verbraucher. Und vielleicht noch ein wenig der Verbraucher vor sich selbst.

Vor lauter BSE-Angst sollten wir nicht vergessen, dass gerade der Verbraucher die Barbarei in der Landwirtschaft mit verursacht hat. Seit mehr als 20 Jahren, seit den Anfängen der Biolandwirtschaft, hat genau dieser Verbraucher, der jetzt zum Opfer verklärt wird, die freie Auswahl. Er kann das Ei aus der Käfighaltung vom Hühnerschänder Pohlmann für 20 Pfennig oder aus dem Biobetrieb vom Freilaufhuhn für 45 Pfennig kaufen. 97 Prozent entscheiden sich erbarmungslos für die Quälware, 3 Prozent fürs Öko-Ei. Bei Brathänchen, Rind- und Schweinefleisch dasselbe Bild. Die Epedemie der Schnäppchenjäger will vor allem eines: billig. Um jeden Preis!

Es sind die Verbraucher, die glauben, dass ein Schwein nur aus Schnitzel besteht mit einem kleinen Ringelschwanz hintendran. Bei jedem Fettfitzelchen fallen sie vor Schreck in Ohnmacht und haben so dafür gesorgt, dass die Tiere zu wandelnden Kotelettsträngen wurden, die zudem noch ihre schützende Fettschicht verloren haben und deshalb bei jedem Hustenanfall ihres Bauern fast einen Herzinfarkt bekommen. Selbst jetzt, mitten im BSE-Seuchenzug, erklärten in einer aktuellen Forsa-Umfrage 34 Prozent aller Befragten kategorisch, dass sie nicht bereit sind, für sicheres Rindfleisch mehr Geld auszugeben. 50 Prozent der Befragten würden für mehr Sicherheit einen Aufpreis von maximal 5 Mark je Kilogramm tolerieren.

Ergo: Lieber mit Löchern im Gehirn krepieren als dem Bauern einen Preis zahlen, mit dem er und seine Tiere anständig leben können. So sind sie, unsere wunderbaren Verbraucher. Noch nie haben sie für Lebensmittel so wenig Geld ausgegeben wie heute. Unsere Großväter bezahlten die Nahrungsmittel noch mit 50 Prozent ihres Einkommens. Wir sind inzwischen bei 12 Prozent angekommen. Und einigen Leuten ist auch das noch zu viel. Sie würden, ohne mit der Wimper zu zucken, auch ein Brathähnchen für 1,99 Mark kaufen, selbst wenn es mit Zement gemästet worden ist.

Vor solchen Verbrauchern, liebe Renate Künast, sollten Sie uns wirklich schützen.

MANFRED KRIENER
in der taz Nr. 6344 vom 12.01.2001